Billiges Holz

Einmal war mein Großvater mit einer ganzen Anzahl von bekannten des Nachts zum Holzfreveln, welches damals allgemein fast von allen Bewohnern betrieben wurde, gegangen. Als nun die Kolonne auf dem Rückweg mit dem gefrevelten Holz auf dem Kreuz anlangte, war ihnen plötzlich der Förster aus dem Dambach entgegengetreten. Der alte Gabel, welcher vorn war, habe dann aufeinmal nach dem Förster, der ihm ins Gesicht sehen wollte, mit der Axt gehauen, die er als Stütze unter dem Holz auf der rechten Schulter trug. Dem Förster war hierbei der Mützenschirm gespalten, sonst nicht verletzt worden, dem Gabel war die Axt aus der Hand nach rückwärts geflogen, hatte meinem weiter hinten befindlichen Großvater die Strumpfkappe vom Kopf gerissen und sei dann mit dieser hinter ihm tief in der Erde eingedrungen. Der Förster habe sich dann schleunigst verduften müssen.

 

Weiter erzählt er, daß ein andermal die Frevelkolonne, mit Schlitten versehen, nach dem Darmstädter gezogen sei, um wie üblich, gleich ganze Schlitten voll Holz zu holen. Es sei stockfinster gewesen, und da habe einer bei dem Hauen mal mit der Hand fühlen wollen, ob der Baum bald ab sei, dabei habe der andere nochmal gehauen und dem ersten fast die ganze Hand abgehauen.

 

Das Holzfreveln hat dann im Laufe der Zeit von selbst aufgehört, weil es den Leuten durch den allgemeinen Aufschwung besser ging und mit dem Aufhören der drückenden Not und Gebundenheit auch die Gewissen sich schärften. Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre waren nur noch 2 bis 3 Personen im Dorf, die gewerbsmäßig Holz frevelten. Andere taten es je und dann noch bei besonderen Fällen. So bin ich auch um diese Zeit einige Male mit meinen älteren Brüdern zum Ahornfreveln gegangen, weil wir nun auch polierte Ahornwaren machten und das Holz dazu fehlte bzw. nicht gleich käuflich war.

 

(Wilhelm Knoche aus Knoches Familienchronik)

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