Typhusepedemie

Wunderthausen (Eig. Meldung). Vier Typhuserkrankungen und 15 Typhusverdachtsfälle sind seit dem 13. August in Wunderthausen aufgetreten. Als erstes erkrankte ein Ehepaar, das die dortige Milchverteilungsstelle innehatte. Erst am 25. August wurden die Fälle gemeldet und die Ueberführung in das Kreiskrankenhaus angeordnet. Nach weiteren zwei Einzelerkrankungen zeigte der 9. September mit acht Meldungen eine Explosivepedemie an. Da die erkrankten alle Normalverbraucher sind, konnte die ungekocht genossene Milch der Verteilungsstelle als Infektionsquelle angesehen werden. Eine Wasserinfektion hält man für ausgeschlossen, da das Dorf keine zentrale Wasserversorgung hat und die Erkrankten ihr Wasser an verschiedenen Stellen entnehmen, die keinerlei Verbindung miteinander haben.
Auf Anordnung des Amtsarztes wurden sämtliche in Frage kommenden Wohnräume sofort desinfiziert und die Abortgraben mit Kalkmilch übergossen. Die Schule wurde geschlossen. Milch und Wasser dürfen in Wunderthausen bis auf weiteres nur abgekocht genossen werden. Ein Gasthausbesitzer stellte zwei größere Räume zur Unterbringung von Kranken zur Verfügung. Zur Einrichtung der Räume und zur Betreuung sowie Beobachtung der Kranken, wurde ein Assistenzarzt und eine Krankenschwester des Kreiskrankenhauses nach Wunderthausen entsandt.
Besuche in Wunderthausen sollen in den nächsten Wochen nach Möglichkeit unterbleiben. Die Familienangehörigen der Erkrankten dürfen den Ort nicht verlassen.
 

Zeitungsbericht vom 16. September 1948

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© Gerhard Knoche